Allgemeines zu Kattas

Kattas gehören zu der Gattung der gewöhnlichen Makis und sind eine Lemurenart. Durch ihre auffällige Fellfärbung mit der schwarz-weißen Gesichtsmaske und dem geringelten Schwanz sind sie die bekannteste Lemurenart und das Symboltier Madagaskars.

 

Merkmale

Größe

ca. 43 cm

Kopf-Rumpf-Länge

39 bis 46 cm

Schwanzlänge

56 bis 62 cm

Gewicht

2,2 bis 3,5 kg

Alter

   Weibchen

   Männchen

 

15 bis 20 Jahre

15 Jahre

(in Gefangenschaft bis zu 30 Jahre)

Verbreitung, Lebensraum und Bedrohung

 

Kattas sind auf Madagaskar endemisch. Ihr Vorkommen beschränkt sich auf den Süden und Südwesten Madagaskars. Das Verbreitungsgebiet reicht sehr weit in das Hochland und damit in das unbewaldete Gebirge Madagaskars, weiter als bei jeder anderen Lemurenart. Die nördlichste bekannte Population von Kattas im Hochland befindet sich in der Nähe von Ambalavao.

Kattas sind zwar sehr gute Kletterer, aber auch gleichzeitig die am besten an die Fortbewegung am Boden angepasste Lemurenart. Das liegt höchstwahrscheinlich daran, dass in ihren meist halbtrockenen Habitaten Bäume und Ressourcen weit verteilt sein können. Kattas bewohnen die größte Lebensraumvielfalt aller Lemuren. Die bevorzugten Lebensräume sind aber Dornenwälder, trockene mit Buschwerk bewachsene Savannen, aride Laubwälder und Galeriewälder. Sie leben aber auch zwischen Felsen, die von immergrünen und feuerresistenten Wäldern umgeben sind. Charakteristische Beispiele sind der Isalo National Park oder die Site Touristique "Anja". Eine vermutlich isolierte Population lebt in den Bergen von Andringitra. Ihr Lebensraum befindet sich über der Baumgrenze in einer Höhe von über 2600 Metern. Das dortige Landschaftsbild wird geprägt von freistehenden Felsen und subalpiner Vegetation, wie niedrigem Buschwerk. Diese Kattas schlafen nachts in Höhlen.

Durch ihren großen Toleranzbereich sind Kattas sehr anpassungsfähig, sie bewohnen sowohl sehr trockene (jährlich nur 30 bis 50 Millimeter Niederschlag) als auch kühle Gebiete mit teilweise starken Temperaturschwankungen  (-7 bis 24 °C). Es lässt sich aber vermuten, dass Kattas nicht immer so extreme Gebiete bewohnt haben, sondern erst durch die Zerstörung ihres Lebensraums auf solche Regionen ausweichen mussten. Dafür spricht, dass das Verbreitungsgebiet der Kattas sehr bruchstückhaft und teilweise isoliert ist. Am stärksten leidet die Population der Kattas unter der Zerstörung des Lebensraums. Das geschieht vor allem bei der Brandrodung: trockene, buschbestandene Savannen werden angezündet, damit auf der Asche frisches grünes Gras wächst und man die entstandene Fläche als Viehweide nutzen kann. Aber auch Wälder, insbesondere Galeriewälder, werden zugunsten von Reisfeldern und zur Holzgewinnung abgeholzt. Teilweise werden Kattas auch zum Verzehr oder zum Halten als Haustiere gejagt. In den letzten 24 Jahren ist die Population, bei annähernd gleichbleibendem Verbreitungsgebiet, um 20-25% zurückgegangen. Dennoch zählt die IUCN die Kattas auf der Roten Liste unter "gering gefährdet". Das liegt zum einen daran, dass das Verbreitungsgebiet eventuell noch größer sein könnte als bisher bekannt und zum anderen daran, dass Kattas sehr häufig in Zoos gehalten werden.

 

Nahrung, Nahrungskonkurrenz und Fessfeinde

Kattas sind Allesfresser, die sich bevorzugt von Früchten ernähren. Zur Nahrungspalette gehören aber noch Blätter, Blüten, Rinde und Knospen. Je nach Standort und Nahrungsangebot fressen Kattas verschiedenste Pflanzenarten, darunter auch einige Neophyten[1], wie die aus Amerika eingeführte Kakteenart Opuntia vulgaris. Zudem variieren die Fressgewöhnheiten je nach Jahreszeit. Während der Schwangerschaft und des Säugens bevorzugen die Weibchen beispielsweise energiereiche Nahrung.

Wenn ihnen das Fangen gelingt, fressen Kattas auch Kleintiere, wie Spinnen, Heuschrecken und Zikaden, in seltenen Fällen auch Chamäleons und kleine Vögel. Daraus lässt sich ableiten, dass Kattas eine sehr vielseitige, umfangreiche, flexible und anpassungsfähige Ernährung besitzen.

Jedoch spielt der Tamarindenbaum (Tamarindus indica) für eine ausgewogene Ernährung eine große Rolle. Von diesem Baum fressen Kattas die Blätter, Blüten, Knospen, Schoten und die Rinde. Damit macht der Tamarindenbaum zeitweilig bis zu 50% der Ernährung aus. Das Außergewöhnliche dabei ist, dass die Bestandteile bis zu 32% Tanin enthalten. Allein zwei Prozent Tanin würden normalerweise reichen, um die Pflanze für Pflanzenfresser  ungenießbar zu machen.

Kattas sind in der Lage, während der Trockenzeit ihren Wasserbedarf durch wasserhaltige, saftige Pflanzen, wie Aloe oder Opuntie, und durch das Auflecken von Tau zu stillen.

Zu den Fressfeinden von Kattas gehören die Fossa und einige Schlangen. Inzwischen muss man auch die Zibetkatze und die Hauskatze, die von Menschen nach Madagasskar eingeführt wurden, dazuzählen. In einigen Fällen wurden Jungtiere von Raubvögeln, wie der Madagaskarhöhlenweihe und Madagaskar-Bussard, ergriffen.



[1] nichteinheimische, eingeschleppte Pflanzenarten

Sozialverhalten

Kattas leben in Gruppenverbänden, die aus sechs bis 25 Induviduen bestehen. Im Durchschnitt sind es meist 13-15 Tiere, der Rekord liegt jedoch bei Gruppen mit über 30 Tieren. Damit können Kattas die größten Gruppen aller auf Madagaskar lebenden Primaten bilden. Eine Gruppe setzt sich zusammen aus der gleichen Anzahl erwachsener Männchen wie Weibchen, zusätzlich Babys und Jungtiere. Den Kern dieser Gemeinschaften bilden meist eine oder, bei größeren Gruppen, zwei Familienverbände nah verwandter Weibchen. Bei zwei Familien ist immer eine Familie der anderen gegenüber dominant. Der Grund für diese Gruppenstruktur ist, dass Weibchen ihre Geburtsgruppe ihr gesamtes Leben nicht verlassen. Die Männchen verlassen jedoch ihre Gruppe bereits im Alter von drei Jahren. Die jungen Kattamännchen werden immer mehr an den Rand der Gruppe gedrängt. Die Weibchen verhalten sich zunehmend abweisender ihnen gegenüber, sie haben keine Chance, sich in ihrer Geburtsgruppe fortzupflanzen. Darum schließen sich die Männchen meist zu zweit oder zu dritt zusammen und versuchen, gemeinsam in der benachbarten Gruppe Anschluss zu finden. Junge Kattamännchen wechseln aller 1,4 Jahre die Gruppe.

Rangordnung

Die Rangordnung ist von einer ausgeprägten Weibchendominanz gekennzeichnet. Das a-Weibchen stammt aus der Familie der ranghöheren Weibchenfamilie, sie bestimmt das Streifgebiet. Allgemein stellt sie den Mittelpunkt der sozialen Interaktionen dar. Die Hierarchie unter Männchen wird mit den sogenannten "Stinkkämpfen" durchgesetzt. Zuerst reiben die Männchen die hornigen Stachel der Unterarmdrüsen gegeneinander. Danach tränken sie ihren Schwanz durch mehrmaliges Zwischen-den-Armen-Durchziehen mit dem Duftdrüsensekret. Dann wedeln sie ihren Schwanz in Richtung des Kontrahenten. Ist dieser von dem Geruch beeindruckt, zieht er sich zurück. Doch selbst das ranghöchste Männchen ist dem jüngsten Kattaweibchen unterlegen.

Territorialverhalten

Die Größe der Territorien variiert stark, je nach Gruppengröße und Nahrungsangebot zwischen sechs und 35 Hektar. Täglich legen Kattas bei der Nahrungssuche etwa 1000 Meter zurück. Sie bleiben ungefähr drei bis vier Tage in dem gleichen Gebiet, dann wechseln sie das Terrain. Kattas sind nicht streng territorial, man sollte eher von Streifgebieten als von Territorien sprechen, da sich diese stark mit den Streifgebieten von anderen Gruppen überlappen. Das Territorium wird hauptsächlich von den Weibchen verteidigt. Trifft also eine Kattagruppe auf eine  benachbarte Gruppe, versuchen die Weibchen zuerst die Gegner durch intensives Anstarren einzuschüchtern und zu vertreiben. Zeigt diese Verhalten jedoch keine Wirkung, beginnen die Kattas sich gegenseitig anzuspringen, nach dem Anderen zu schlagen und sich ineinander zu verbeißen. Bei einer solchen Eskalation kann es zu schweren Verletzungen und auch zum Tod einzelner Individuen kommen.  Nach dem Zusammentreffen ziehen sich die Kattas meist in die Kernzone ihres Territoriums zurück.

Kattas sind tagaktiv. Die Nächte verbringen sie meist schlafend auf den Bäumen. Morgens nehmen Kattas als erstes, vor allem bei kühlen Temperaturen, ein Sonnenbad. Dazu nehmen sie eine aufrechte Sitzposition ein und lassen die Sonne auf ihre weiße Unterseite scheinen.

 

Kommunikation

Kattas verfügen über ein großes Repertoir verschiedenster Lautäußerungen. Es wurden 28 verschieden Laute unterschieden und deren Bedeutung zugeordnet. So gibt es unterschiedliche Warnrufe, zum Beispiel jeweils einen bestimmten für "Feind in der Luft" oder "Feind am Boden". Kattas verwenden verschiedene Laute, um den anderen auf dessen Rangstellung hinzuweisen oder zurechtzuweisen. Ein bestimmtes Bellen kann dabei als Drohung gesehen werden. Zur Kontaktaufnahme mit Gruppenmitgliedern und zum Ausdruck von leichter Neugier bedienen sich die Kattas bestimmten Gluckslauten. Zur Markierung des eigenen Streifgebietes stoßen adulte Männchen einen Heullaut aus, der in einem Umkreis von einem Kilometer zu hören ist. Außerdem haben Kattas ein großes Repertoir an Angstlauten, denen jeweils eine bestimmte Schwere der Erregung zugeordnet werden kann. Charakteristisch für diese Laute ist das katzenähnliche Miauen, das sie bei leichter Verunsicherung von sich geben. Dieser Laut gab den Kattas auch ihren Namen: Katta leitet sich von dem altgriechischem Wort für Katze ab. (® 3 / 6 )

Eine besondere Bedeutung bei der Kommunikation kommt der sozialen Fellpflege von Kattas zu. Hierfür verwenden die Kattas einige Stunden des Tages, denn die Fellpflege ist der Hauptbestandteil der sozialen Interaktion und für den Zusammenhalt der Gruppe extrem wichtig. Es ist ein kommunikativer Ausdruck von Zuneigung bzw. Abneigung.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit findet zwischen Mitte April und Mitte Mai statt und dauert etwa zwei bis drei Wochen. Die Tragzeit dauert 135 Tage und fällt in die Trockenzeit, die von Resourcenknappheit geprägt ist. Daher versuchen die Weibchen in der vorhergehenden Regenzeit sich Fettreserven anzufressen. Dies ist äußerst wichtig, wollen die Weibchen für sich und den Nachwuchs optimale Voraussetzungen schaffen. Die meisten Jungtiere werden zu Beginn der Regenzeit, also im September, einige auch im Oktober, geboren. Zu der Zeit gibt es ein reiches Nahrungsangebot. Durch die geringe Länge der Paarungszeit folgen die Geburten dicht aufeinander. Die Geburt erfolgt meistens in den Bäumen, die werdenden Mütter entfernen sich dazu aber etwas von der Gruppe. Am häufigsten sind Einlingsgeburten. Zwillinge sind aber auch nicht unüblich. Die Neugeborenen wiegen zwischen 55-80 Gramm. Nach der Abnabelung klettern die Jungtiere auf den Bauch der Mutter und werden dort für die nächsten ein bis zwei Wochen längst an der Unterseite getragen. Dann wechseln sie auf den Rücken. Meistens werden sie von der Mutter getragen aber auch manchmal von nahverwandten Weibchen, wie den Geschwistern. Es gibt jedoch eine hohe Sterblichkeitsrate unter den jungen Kattas: nur etwa die Hälfte überlebt das erste Lebensjahr und nur 30% erreichen das Erwachsenenalter. Mit drei Jahren werden Kattas geschlechtsreif. Die Weibchen bekommen in der Folge normalerweise jährlich Junge. Bei den Männchen kann es aufgrund der Rangordnung noch einige Jahre dauern bis sie sich zum ersten mal fortpflanzen.

Kattas in Zoos

Offiziell  sind Stand 2014 weltweit 3293 Kattas in Gefangenschaft  registriert. An dieser Bestandsaufnahme beteiligten sich jedoch nur die größeren Zoos. Da sich auch viele Individuen in dem Besitz von privaten und kleineren Parks befinden, ist die tatsächliche Anzahl wahrscheinlich um einiges höher. Damit sind Kattas die am häufigsten in Zoos gehaltene Lemurenart. Das liegt vor allem an ihrer Attraktivität, schließlich sind sie das Symboltier Madagaskars. Durch den gewonnenen Bekanntheitsgrad mit den "Madagascar" Animationsfilmen und durch ihre, vor allem bei den Jungtieren ausgeprägte, Verspieltheit, stellen sie einen Zuschauermagnet dar. Der Grund für die Häufigkeit in Zoos liegt aber auch an der hohen Reproduktionsrate (=durchschnittliche Anzahl an Nachkommen in bestimmter Zeit) von Kattas in Gefangenschaft. So wurden im Zoo Karlsruhe in 24 Jahren 56 Jungtiere geboren, im Zoo in Frankfurt wurden in 49 Jahren 63 Jungtiere geboren.

Ungefähr 26 Zoos in Deutschland sind im Besitz von Kattas.