Allgemeines zu Lemuren

Vor 165 Millionen Jahren spaltete sich Madagaskar von der afrikanischen Platte ab. Fast vollkommen isoliert von der Außenwelt kam es auf Madagaskar zu einer evolutionär, einzigartigen Entwicklung. Ein Großteil der heute dort vorkommenden Tiere und Pflanzen sind endemisch (=nur dort vorkommend). Dazu gehören auch die Lemuren. Sie werden manchmal als Halbaffen bezeichnet, obwohl diese Bezeichnung veraltet ist. Sie gehören zwar zu den Primaten, doch seit sie vor etwa 47-54 Millionen Jahren durch treibende Vegetation auf Madagaskar angekommen sind, haben sie sich völlig separat zu den Affen auf dem afrikanischen und asiatischen Festland entwickelt. Heute gibt es 72 Lemurenarten, sie leben nur auf Madagaskar, man kann sie nirgendwo sonst auf der Welt finden. Lemuren werden als primitiver eingestuft, als die höheren Primaten, also die Affen. Aber es existiert wohl kaum eine weitere Tierordnung, die unterschiedlichere und extremere Lebensräume (Bsp.: Regenwald, Trockenwald, Dornensavanne, Sumpfgebiete, Tsingy) besiedelt und die so außergewöhnliche Verhaltensweisen und einzigartiges Aussehen herausgebildet haben.

Doch sie werden immer seltener. Laut IUCN sind madagassische Lemuren die bedrohtesten Säugetiere der Welt. Grund dafür ist die Zerstörung des Lebensraums durch Rodung, um die gewonnen Flächen in Acker oder Viehweiden umzuwandeln. Früher war die Insel fast vollständig mit Wald bedeckt, heute sind ungefähr 90% der ursprünglichen Waldfläche verschwunden